Mittwoch, 14. August 2013

Rückkehr nach Somerton Court von Leila Rasheed



Taschenbuch: 381 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch; 1. Auflage (22.08.2013)
Preis: 9,99€
ISBN-10: 3596196892
ISBN-13: 978-3596196890

Besonderheit: Gewonnen bei Lovelybooks (zur Leserunde)


Lord Averley kehrt mit seinen beiden Töchtern Ada und Georgiana nach Jahren der Abwesenheit in Indien zurück nach England auf sein Anwesen Somerton Court. Die Dienerschaft hat alle Hände voll zu tun seine Lordschaft zu empfangen, als ein Telegramm eintrifft, in dem die Hochzeit Lord Averleys mit Mrs Templeton aus London bekannt gegeben wird.
Ada, Lord Averleys älteste Tochter verliebt sich in einen Mann weit unter ihrer Schicht und möchte zudem in Oxford studieren; Charlotte, Mrs Templetons arrogante Tochter, verfolgt ihre eigen Pläne ohne Rücksicht auf andere und Rose, das Hausmädchen, liebt die Musik und träumt davon eigene Stücke zu Komponieren.
Dies sind nur ein paar Einblicke in die üppige und vielschichtige Handlung von „Rückkehr nach Somerton Court“ einem Roman von Leila Rasheed. Dabei ist für mich das zentrale Thema des Romans der Spannungsbogen zwischen standesgemäßem und vernünftigem Handeln und dem Wunsch nach einem anderen, selbstbestimmten Leben.

Der Grund, wieso ich mich für dieses Buch entschieden habe, liegt darin, dass nicht nur die Herrschaft – die Lords und Ladys – zu Wort kommen, sondern auch das Leben der Dienerschaft thematisiert wird. Es kommt leider viel zu selten vor, dass auch diese untere Schicht, die doch das ganze Leben der Herrschaft organisiert, einmal in den Fokus gerückt wird. Es hat mich sofort an Downton Abbey erinnert, eine TV-Serie, die ich sehr gerne sehe.

„Rückkehr nach Somerton Court“ bietet dabei – ähnlich wie Downton Abbey – eine ganze Menge Themen, die angesprochen werden. Seien es uneheliche Kinder, Liebe außerhalb des Standes, das Frauenwahlrecht, die Situation in Indien unter englischer Herrschaft, Homosexualität, … Es ließe sich noch so vieles nennen. Dabei versteht es sich von selbst, dass bei einem Buch mit knapp 400 Seiten, leider nicht jedes Thema bis ins Detail behandelt werden kann. Jedoch hat mich das nicht gestört, eher im Gegenteil, dadurch blieb die Handlung abwechslungsreich und sehr spannend. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen, habe mit den Charakteren mitgefiebert und mitgelitten und wollte wissen, wie es weiter geht.

Dabei waren die meisten Charaktere gut gezeichnet. Der ein oder andere vielleicht etwas zu glatt und perfekt, dafür andere richtig fies und gemein. Ich hatte ein paar Charaktere, bei denen konnte ich mich so richtig aufregen, ich habe sie zu tiefst verabscheut und mit anderen habe ich mitgefühlt. So auch, als sich ein klassisches Liebes-Missverständnis entwickelt: Sie liebt Ihn, Er liebt aber eine andere und Sie denkt Er meint Sie, wenn er von der Anderen spricht. Es bricht einem fast das Herz, wenn sie daraufhin merkt, dass er sie nicht liebt. Leila Rasheed gelingt es ihre Figuren lebendig darzustellen, dass man sich mit ihnen identifizieren kann.

"Aber wie es schien, war sein Herz wohl nicht so vernünftig wie sein Kopf. Sein Herz hatte tatsächlich mehr erwartet." (S. 178) Dieses Zitat markiert für mich das zentrale Problem unter dem viele Charaktere leiden. Sie sehen sich dem Konflikt Kopf (Verstand) vs. Herz (Gefühl) gegenüber. Sie sind eingeklemmt in das Korsett der Gesellschaft und der eigenen Stellung, die ihnen nur einen begrenzten Raum zum Handeln gestattet. Das ist die Kopf bzw. die Vernunftseite. Auf der anderen Seite haben viele Charaktere ihre Träume, die sie nur durch einen Bruch mit ihrer Herkunft oder einem Skandal verwirklichen können. Daher ist diese Seite der Träume die Herz bzw. Gefühlsseite.
Dies macht das Buch natürlich sehr spannend. Man will immer weiter lesen und fragt sich, wie wird es weiter gehen? Wie werden sich die Charaktere entscheiden? Wird Lady Ada Ravi, den Mann, den sie liebt, heiraten können, obwohl er unter ihrem Stand und Ausländer ist?

Das Ende des Romans kommt viel zu plötzlich und lässt vieles offen. Ja, es handelt sich mal wieder um eine neue Reihe. Eine Reihe deren zweiter Teil erst im Januar 2014 auf Englisch erscheinen wird. Das bedeutet wieder langes Warten. Schade dabei finde ich, dass es auf dem Umschlag des Romans nicht angedeutet wird. Ich kenne viele, die keine Reihen mehr beginnen wollen, bei denen noch nicht alle Teile erschienen sind. Diese würde hier keinen Hinweis finden, dass sie eine neue Reihe beginnen, wenn sie dieses Buch lesen. Mir persönlich hat das Ende gut gefallen. Es lässt einen nicht zu sehr in der Luft hängen. Es bietet Raum für Spekulationen und hält es spannend bis zum zweiten Teil.

„Rückkehr nach Somerton Court“ von Leila Rasheed hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte es innerhalb kurzer Zeit verschlungen, da es mich durch die vielen Themen und Handlungsstränge mitgezogen hat. Mir haben die Charaktere gut gefallen und auch der angenehme, leichte Schreibstil hat dazu beigetragen, dass man das Buch nur so weggelesen kann. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der England mag, der Downton Abbey mag, der auf Intrigen und Geheimnisse steht, der sich gerne in der Geschichte verliert und in andere, vergangene Welten hineinträumt. Ich denke auch, dass Jugendliche ihren Spaß an diesem Roman haben werden.

Mein Dank geht an Lovelybooks und den Fischer Verlag, dafür, dass ich das Buch gewinnen und lesen durfte!

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